Digitale Kuratoren im Bereich der Kunst?

Geschrieben am 4.2.2009 von Teriell  
Kategorie: Kunst und Medien

Gestern habe ich mir ein Video von der next08 angesehen. Es handelte sich dabei um einen Vortrag von Steve Rubel (hier sein Blog Micropersuasion) mit dem Thema “10 Trends that Will Shape Your Digital Future”. Während des Vortrags sprach er mitunter über die zukünftige Rolle des digitalen Kurators (hier ein Eintrag auf Rubels Blog zum Thema). Die Rolle des digitalen Kurators ist natürlich nicht allein auf die Gefilde der Kunst beschränkt, sondern begründet sich vor allem in der Notwendigkeit, der wachsenden (insbesondere digitalen) Informationsflut mit Filterungs- bzw. Selektionsmechanismen zu begegnen. In dem Eintrag auf Rubels Blog meint dieser:

Information overload makes it difficult to separate junk from art. It requires a certain finesse and expertise - a fine tuned, perhaps trained eye. Google, memetrackers such as Techmeme and social news sites like digg are not curators. They’re aggregators - and there’s a big difference.

The call of the curator requires people who are selfless and willing to act as sherpas and guides. They’re identifiable subject matter experts who dive through mountains of digital information and distill it down to its most relevant, essential parts. Digital Curators are the future of online content. Brands, media companies and dedicated individuals can all become curators. Further, they don’t even need to create their own content, just as a museum curator rarely hangs his/her own work next to a Da Vinci. They do, however, need to be subject matter experts.

[Quelle: micropersuasion]

Doch wenn nun auch die Funktion digitaler Kuratoren über den Bereich der Kunst hinausgeht, so wäre es doch ebenso interessant zu überlegen, welche Funktion digitale Kuratoren auch im Bereich der Kunst erfüllen könnten. Denn jedem der schonmal DeviantArt oder Flickr etc. besucht hat, dürfte aufgefallen sein, dass die Welt der digitalisierten Bilder enorm groß und unüberschaubar geworden ist und sich exponentiell aufbläht. Das Problem ist dort wie bei jedweder digitalen Information, dass es zwar Aggregationsmechanismen gibt, aber wenige adäquate Filtermechanismen hinsichtlich einer spezifischen Qualität. Wären also digitale Kuratoren im Bereich der Kunst denkbar, um mit ihren höchst eigenen Agendas diesen Bilderwust zu sortieren?

Die Notwendigkeit besteht meines Erachtens sicher, doch mein Eindruck ist, auch dass der klassische Kunstbetrieb oftmals zu unflexibel gegenüber neuen Medienformen und -Mechanismen ist. Eben dieses Verständnis müsste ein digitaler Kurator jedoch auch mitbringen. Er müsste neben dem professionellen Wissen aus dem Bereich der Kunst auch ein professionelles Wissen hinsichtlich der digitalen Information, der Mediennutzung etc. aufweisen. Dazu gehört also etwas mehr, als auf einschlägigen Bildcommunities zu surfen und zu selektieren. Eine interessante Herausforderung stellt diese digitale Ära dar, welche im Prinzip ja gerade erst begonnen hat. Auch die Kunst (der Kulturbetrieb, die Künstler und die Kunstrezeption) wird sich wohl oder übel einigen Herausforderungen, welche z.B. aus der Allverfügbarkeit der Daten entstehen, stellen müssen.

Ein kleiner Nachtrag: eben habe ich übrigens noch einen Artikel beim Kulturmanagement Blog gefunden, der auch auf Rubel und den digitalen Kurator eingeht. Dort wurde überlegt, was das Internet von der Kunst lernen kann.

Und hier nochmal die Präsentation des Vortrags von Rubel:

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Kommentare
Bislang gibt es 5 Meinungen zu "Digitale Kuratoren im Bereich der Kunst?"


  1. Christian Henner-Fehr meinte am 4.2.2009 um 10:43Uhr|Typ: Comment

    Der digitale Kurator ist eine sehr spannende Sache. Die Frage, wie das gehen sollte, ist in meinen Augen relativ einfach zu beantworten: statt zu aggregieren, wählt der Kurator aus und stellt die Kunstgegenstände in einem persönlich ausgewählten Kontext zusammen. Für die Betrachter bzw. Konsumenten sollte sich daraus ein Mehrwert ergeben, das können Denkanstöße, Information und vieles andere mehr sein.

    Eigentlich ist ja schon jeder Blogger so eine Art Kurator, oder?


  2.  
  3. Teriell meinte am 4.2.2009 um 10:51Uhr|Typ: Comment

    Naja, tendentiell könnte das stimmen - also dass jeder Blogger so eine Art Kurator ist - allerdings muss natürlich das fachliche Hintergrundwissen hinterfragt werden. Zudem geht die Kompetenz des digitalen Kurators im Optimalfall über die reine Auswahl hinaus. Denn er muss zudem ein fundiertes Wissen hinsichtlich der Medien und der Informationsverarbeitung haben. Z.b. wie Aggregation überhaupt funktioniert oder wie social media tickt etc.. Ansonsten wird zwar ausgewählt, aber nicht unter Beachtung der spezifischen Anforderungen, welche hinsichtlich digitaler Daten entstehen. Dann wäre der Mehrwert eben wieder verhältnismäßig klein. Es steht aber fest- ein spannendes Thema.


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  5. Christian Henner-Fehr meinte am 4.2.2009 um 14:12Uhr|Typ: Comment

    Klar, das ist wie im Kunstbereich auch. Ohne entsprechendes Wissen kann es nicht klappen. Wichtig ist aber in meinen Augen, dass es hier um einen subjektiven Zugang geht und nicht um das vollständige Aggregieren von Informationen.


  6.  
  7. Teriell meinte am 4.2.2009 um 18:43Uhr|Typ: Comment

    Da stimme ich natürlich zu. Gerade die Vielfalt der Informationen homogen zu behandeln, wäre ein Fehler (wobei ich hier keine technischen Mechanismen, z.B. im Hinblick auf Taxonomien, Ontologien etc. meine). Subjektive Bedeutungszuweisungen und Interpretationen werden gerade wichtig, um eine heterogene Vielfalt zu begreifen. Was sich ja vielleicht auch durch den Long Tail stützen ließe.


  8.  
  9. Was bedeutet Open Source für die Kunst? : TeriellBlog - Ein Blog an die Kunst meinte am 4.2.2009 um 18:59Uhr|Typ: Pingback

    [...] Wert und verklärten Vorstellungen einer längst vergangenen Zeit gerückt werden. Kunstverwalter, Kuratoren und Kunstschaffende sind also zudem neuen Bedingungen oder vielmehr einer neuen Logik ausgesetzt, [...]


  10.  

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