Im Dschungel wäre das nicht passiert …
Im Dschungel ist bekanntlich alles erlaubt - in unsinnigen Fernsehformaten sowieso. Zumindest konnte man zu einem solchen Schluss gelangen, wenn man sich das einschlägige RTL-Format “Ich bin ein Star…” vor Kurzem anschaute. Im Prinzip regt seit “Tutti-Frutti” niemanden mehr wirklich eine entblößte Brust auf, die vermittels “moderner” Fernsehtechnik an uns heranzutreten scheint.
Bei traditionelleren Abbildungstechniken - der Malerei etwa - verhält sich solches (offenbar) anders. Ungeachtet der Tatsache, dass die Darstellung nackter Leiber schon seit “Äonen” niemanden mehr ernsthaft empört, führte kürzlich eben solches zum “Akt” der Zensur. Verrückte Welt, will man meinen … Gemälde werden zensiert und auf Handys kann man sich im Abo Pornobildchen runterladen, private Fernsehsender wie 9Live (übrigens lizenziert durch die Bayrische Landeszentrale für neue Medien) tunen ihre albernen Quizsendungen mit einer ordentlichen Prise Fleischbeschau und normal scheint ja ansonsten auch zu sein, dass ein Bildchen, welches die nackte First Lady von Frankreich zeigt, bei Christie’s für 91.000$ vertickt wird.
Bei der Zensur handelte es sich um Arbeiten des Nürnberger Künstlers Rubin Hirschbeck. Dieser schildert den Hergang hier. Der verantwortliche Intendant des Stadttheaters Fürth Werner Müller hatte offenbar schon im Vorfeld die Aufhängung der Bilder “Polka” und “Nach der verlorenen Zeit” untersagt und wies später an, drei weitere Bilder nach der Vernissage abhängen zu lassen. Hierbei handelte es sich um die Bilder “Was vor uns liegt liegt hinter uns”, “Drei Frauen auf drei Beinen” und “Die alten Männer” (unten zu sehen).

Eklar-Bilder von Rubin Hirschbeck: "Was vor uns liegt liegt hinter uns", "Drei Frauen auf drei Beinen" und "Die alten Männer"
Intendant Müller verwies legitimerweise auf sein Hausrecht und versuchte offenbar “bessere Gründe” für die Zensur als die der Zensur nackter Leiber zu finden, wie es aus dem Artikel der Fürther Nachrichten hervorgeht. Allerdings ist die Zensur allein die faktische Konsequenz. Es wäre im Prinzip sehr gut, würde sich die Kunst die Betrachtung und Kontextualisierung nackter Leiber auch ein Stück weit zurück erobern könnte, damit ein (zumindest kleines) intellektuelles Gegengewicht zu der massenmedialen “Fleisch-Distribution” existierte. Doch nicht jedem, offenbar sicher nicht jedem bayrischen Intendanten, scheint diese Betrachtungsweise möglich. Schade für die Kunst, schade für die Rezipienten, denen nun eine Hand voll guter Bilder entgehen mussten.
Infos zur Ausstellung FIGURENBILDER in Fürth
- Veranstaltungsort: Stadttheater Fürth, Königsstraße 116
- Die Vernissage war am Sonntag, 25.01.2009
- Ausstellungsdauer: 25. Januar- 18 März 2009
Weitere Meinungen zum Thema:
- Fürther Nachrichten: fuerther-nachrichten.de (oder hier)
- Noch ein Artikel in den Fürther Nachrichten: <<ein Akt der Selektion>>
- Artikel von André Debus
- Weitere Infos auch hier / bei Rubin Hirschbeck







Polygonist meinte am 30.1.2009 um 10:42Uhr|Typ: Comment
Na wenn im Vorfeld schon zwei Bilder aussortiert werden mussten, zeichnet sich ja der weitere Verlauf des Desasters schon ab.
Einerseits Schade für die Ausstellung selbst, andererseits weiß man ja nie was es am Ende bringt.
Kommunikation geht manchmal seltsame Wege….