The dark side of art V.2
Geschrieben am 17.12.2008 von Teriell
Kategorie: Gemischtware
In TeriellBlog 1 wurden bereits ein paar lose Gedankengänge zum Thema “Die Dunkle Seite Der Kunst” in Worte gekleidet und herausposaunt. Diese sollen an dieser Stelle (wenigstens etappenweise) fortgeführt werden.

- El sueño de la razón produce monstruos (aus den Caprichos von Goya, 1799)
Wodurch entsteht also die Lust des Künstlers oder Kreativen, dem Düsteren Ausdruck zu verleihen? Klar, grundsätzlich kann man sagen: Schönheit lässt sich eben auch erst durch ihr Gegengewicht definieren - ddem Hässlichen, dem Bösen und Morbiden. Aus diesem Grunde traue ich auch niemandem wirklich über den Weg, der ausschließlich heitre Blumenwiesen malt und diese betont fröhlich ins Aquarell bannt. Erst durch den Blick auf so manche Abgründe des Menschen kann auch das Schöne zu Tage gefördert werden. Selbst Heilsverkündungen, wie die des Christentums, bedienen sich einer grobmaschigen Polarisation - da gibt’s die good guys und die evil ones, sogar gute und schlechte Plätze wie Himmel und Hölle - dazwischen und je nach Mode gibt es dann noch ein paar Ablassbriefe für die Unentschlossenen sowie jede Menge storys von hadernden Helden obendrein. Das Leben ist wohl schon immer eine Art Odysee und die Erzählung einer solchen wäre ziemlich unwirklich, bestünde sie allein aus vorbeiziehenden Blumenwiesen. Zur Menschwerdung oder dem Menschsein scheint eine Prise Abgrund zu gehören. Das diese Abgründe ein vortreffliches Sujet oder Thema für die Kusnt ausmachen könnten, lässt sich im Prinzip leicht vorstellen.
Doch in letzter Zeit ist der “Düstre Kram” ja durchaus inflationär im Umlauf. So kommt es mir wenigstens vor - wenn es natürlich auch sein kann, dass ich mich letztlich täusche (es liegen mir da leider keine empirischen Studien vor). Ein Blick auf große Bildportale wie Deviant Art festigt aber einen solchen Eindruck. Gerade dort habe ich oft den Eindruck, dass man eigentlich nur Manga- oder eben Gothic-Kram fabrizieren muss, um in kurzer Zeit viele Freunde zu finden. Aber wer will das schon. Doch auch viele Arbeiten einiger bekannter Leute aus dem Kunstbetrieb, wie die Arbeiten eines J. Meeses, eines D. Richters oder N. Rauchs, sind nicht gerade frei von der Darstellung so mancher Abgründe der menschlichen Existenz. “Dark rules!” könnte man meinen - oder, was ich gerne mal sage - “Die Welt geht vor die Hunde… , das allerdings schon immer“. Helnwein und Giger (ich erwähnte sie bereits in Teil Eins auf TeriellBlog Eins) hatten diesen Trend offenbar auch schon früh erkannt und zu Kapital machen können. Ebenso kann man den Film heranziehen… man denke hier an etwa an D. Lynch (im Kontext dieser Betrachtung finde ich, dass “The Grandmother” von 1970 kaum zu übertreffen ist). Insgesamt gab es die gesamte Palette des Übels aber natürlich schon vorher, so wie stets Diejenigen gab, die darüber schrieben, malten usw. Goya ist ein gutes Beispiel hierfür. In Blatt 43 der Caprichos (”El sueño de la razón produce monstruos”) thematisiert er die “Entstehung solcher Monster” sogar auf einer Metaebene. Die Caprichos sind übrigens zu empfehlen und hier als PDF (ca. 10 MB) in guter Qualität erhältlich. Wie kommt es aber nun dazu, dass, obwohl diese Monster schon immer gemalt wurden, in letzter Zeit das Morbide Kasse macht? Liegt es an der Perspektivlosigkeit der Menschen? An den globalen Problemen? Vielleicht - vielleicht aber auch nicht.
Ich glaube, dass die Darstellung des Morbiden vor allem eines ist: authentisch. An jedem Tag, der vergeht, versuchen neue Werbebotschaften in bunten Farben einen Weg in unser Langzeitgedächtnis zu finden. Menschen in feinen Anzügen versprechen ihrem Gegenüber lächelnd und vertrauenswürdig ein gutes und erfülltes Leben und nennen ihr Tun etwa verantwortungsvolle Politik. Was die Wirtschaft verspricht und nicht hält, braucht man momentan ja keinem mehr zu erklären. Kurzum, das schöne Gebahren und die nette Verpackung sind oft nicht authentisch, sondern kaschieren nur sehr simple Sachverhalte wie die Absicht zur Gewinnoptimierung, Lobbyismus etc. Insofern sind viele Belange der Realität abgebrüht motiviert, Produkte der gewöhnlich gewordenen Täuschung und eben keine Ausdrücksformen des Ideals oder gar der Nächstenliebe.

Wenn nun aber z.B. ein ganz offensichtlich “fieser Möpp” daherkommt, auf einer Leinwand oder wo auch immer … dann doch eines spontan klar: der hat nicht erst den Hugo Boss-Anzug mitsamt eines Sonntagslächelns aufgelegt, schön Häärchen gekemmt, Nasenhaare gezupft und einen Stepptanz zur Begrüßung aufgeführt, um jemanden von dem dann wohl folgenden zu überzeugen. Sondern vielmehr: der ist ein fieser Möpp und versteckt es nicht. Täuschen funktioniert meistens eben auch nur in Richtung “positiv”. Also Unbrauchbares nützlich aussehen lassen, Hässliches schön zu verkleiden usw. Insofern wohnt dem blank Negativen interessanterweise eine positive Nuance inne: die des Authentischen. Dieses Negativ- Authentische ist etwas, was vielleicht gerade für Werbung schwer zu integrieren ist. Wie sollte dann ein Claim oder Slogan aussehen, der durch betont negative Attribute authentisch wirken soll? Im Bereich der Werbung hätte ein solcher Slogan vermutlich auch kontraproduktive Folgen im Bezug auf das Fremdbild der Marke. Bei der Kunst ist soetwas eigentlich ziemlich egal. Man muss nicht unbedingt ein positives Fremdbild einer Kunst-Marke gegenüber erzeugen wollen, wobei man manchmal den Eindruck hat, dass Kollegen wie bspw. Dalí oder Picasso auch nur ihre eigenen Marken waren und stets schwer damit beschäftigt diese zu kommunizieren. Naja. Grundlegend trägt die Kunst allerdings keinen wirklichen Schaden davon, wenn sie im düstren, morbiden, negativen … Kleid daherkommt. Dies könnte einer der Gründe sein, warum der “düstre Kram” Konjunktur hat. Mehr Spekulationen zum Thema werden sicher noch folgen. Falls Ihr noch einen Ansatz habt, steht Euch die Kommentarfunktion natürlich zur Verfügung.







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