Kunstgruppen in Social Communities?

Geschrieben am 17.12.2008 von Teriell  
Kategorie: Kunst und Medien

Habt Ihr mal versucht, in Social Communities (Xing, Wer-Kennt-Wen, MySpace etc.) einer Kunstgruppe beizutreten oder eine zu eröffnen? Ich habe mich auf verschiedenen Plattformen mal umgesehen und bin bislang zu keinen fruchtbaren Ergebnissen gekommen. Durch die Funktionalitäten der gängigen Communities ließen sich ja grundsätzlich einige Aspekte bewerkstelligen, die für Künstler (die evtl. ohnehin online unterwegs sind) interessant sein könnten. Dabei denke ich grundlegend an das Knüpfen von Kontakten etc., aber vor allem auch an die kollaborative Zusammenarbeit, das Organisieren von (Online-) Gruppenausstellungen usw. Das, was ich bislang aber selbst gesehen habe, würde ich “mau” nennen. Kaum ernsthafte Aktivitäten in bestehenden Kunst-Gruppen waren zu bemerken und wenige “gute” (ich bezieh mich hier einfach mal auf meinen Geschmack) Künstler waren dort generell zugegen. Auf manch einem Kunstportal wird ja gequasselt, was das Zeug hält. Auch der Ruf nach gemeinsamen Ausstellungen wird dort manches Mal laut. Grundsätzlich finde ich das etwas verwundernswert, wenn man zudem bedenkt, dass Kunst doch an die Öffentlichkeit treten sollte und nicht in einem ausgewählten Kreis von Gleichgesinnten verbleiben sollte. In diesem Punkt böten sich doch Portale für die Allgemeinheit an, da dort im Vergleich zu Kunstportalen wenigstens halbwegs ein Bevölkerungsquerschnitt abgebildet wird.

Aus diesem Grunde mal meine Frage an die Leserschaft: Welche Erfahrungen habt Ihr mit Kunstgruppen in Social Communities? (und) Wie schätzt Ihr die Möglichkeiten diesbezüglich ein?

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Kommentare
Bislang gibt es 15 Meinungen zu "Kunstgruppen in Social Communities?"


  1. Elisabeth Eberle meinte am 17.12.2008 um 07:53Uhr|Typ: Comment

    Auf der geschlossenen Kunstplattform artmesh bin ich auf eine Diskussionsgruppe (art digital 818) gestossen, die kreativ zu einer digitalen Galerie umgebaut wurde, die ich bereichernd finde. Jeden Monat stellen Künstler andere Künstler mit einem kleinen Text vor, und die Portraitierten laden eine Serie mit maximal neun Bildern hoch. Da es sich um ein relativ geschlossenes System handelt, muss man sich nicht durchwühlen, um Spannendes zu entdecken. Als Gruppe funktionierte es auch, Galeristen und Kuratoren dazu zu bewegen, einmal hineinzuschauen. Die ‘Galerie’ wird relativ autoritär geführt, das heisst, alles ausserhalb des bekanntgegebnen Konzepts wird gelöscht. Dies braucht Zusammenarbeit unter den Künstlern. So werden Informationen ausgetauscht, die über die eigentliche Gruppe hinausgehen und es entstehen internationale Netzwerke.
    Elisabeth Eberle


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  3. Teriell meinte am 17.12.2008 um 10:13Uhr|Typ: Comment

    Hallo Elisabeth, danke für Deinen Bericht über art digtal 818 auf artmesh. Mich würde mal interessieren, ob Deiner Meinung nach weitere “Tools” zum kollaborativen Arbeiten einer solchen Gruppe besonders zuträglich wären oder evtl. sogar unnötig sind. Ich denke dabei also z.B. an kleinere Tools, um Projekte zu verwalten, gemeinsam Dokumente bearbeiten zu können etc. Wie sind Deine Erfahrungen diesbezüglich?

    Viele Grüße,
    Sebastian


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  5. Elisabeth Eberle meinte am 17.12.2008 um 14:01Uhr|Typ: Comment

    Ich würde mir wünschen, dass in Diskussionsgruppen hochgeladene Bilder per Mausklick vergrössert werden können, eventuell ein verbessertes ‘Schaufenster’ auf der Hauptseite mit aktuellen Informationen oder Einblicken, ev. auch zufallsgeneriert, und dass Links direkt angeklickt werden können. Sonst denke ich, dass die Seite so gut läuft, weil sie vom Gründer so ’streng’ gehandhabt wird und ein reduziertes Konzept hat. Beitreten, sich äussern und etwas ins freie Forum setzen kann jedes Mitglied, aber ausführlicher publiziert wird nur, wer von jemand anderem ausgesucht und besprochen wird.
    Ich könnte mir aber auch vorstellen, diese virtuelle Galerie um weitere ‘Räume’ zu anderen Themen auszuweiten und sich nicht nur auf die Kategorie digitale Kunst zu beschränken, da mir solche ‘Schubladen’ manchmal etwas zu eng sind.


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  7. Elisabeth Eberle meinte am 17.12.2008 um 14:03Uhr|Typ: Comment

    Noch etwas: Besucher sollten ohne Beitritt zur Gruppe herumschauen können.


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  9. kulturblogger meinte am 17.12.2008 um 16:55Uhr|Typ: Comment

    Grundsätzlich ist dieses Feld tatsächlich ziemlich unterbelichtet - ungeachtet der Chancen, die sich daraus ergeben. Dieses Potenzial zu erschließen und zu diskutieren ist übrigens das Anliegen der startconference.org, die im September dieses Jahres in Duisburg stattfinden wird. Auf der Website gibt es laufend neue Infos und natürlich die Möglichkeit, diese Themen zu diskutieren.


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  11. Christian Henner-Fehr meinte am 17.12.2008 um 22:23Uhr|Typ: Comment

    Im no-art-forum auf Xing gab es da in der letzten Zeit eine recht intensive Diskussion; siehe unter “How to Best Sell Your Art Online” => verlinken geht ja leider nicht :-(

    ———————————
    Edit Sebastian, hier der Link: noartforum


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  13. Teriell meinte am 17.12.2008 um 15:26Uhr|Typ: Comment

    Bin mal gespannt, was die stART Conf. zu Tage fördert. Ich finde auch, dass das Potential von Social Media bzw. genereller von medialen Strukturen im Hinblick auf die Kunst noch längst nicht erschlossen ist. Die Frage der Verkaufsmöglichkeiten halte ich dabei aber nicht für die einzig relevante, natürlich aber eine wichtige.


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  15. Christian Henner-Fehr meinte am 17.12.2008 um 16:26Uhr|Typ: Comment

    “Die Frage der Verkaufsmöglichkeiten halte ich dabei aber nicht für die einzig relevante…”

    Das sehe ich so wie Du. Deshalb sind ja auch die Künstlerplattformen eiegtnlich ein Unsinn, denn da mag vieles funktionieren. Das Verkaufen aber sicher nicht.


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  17. Teriell meinte am 17.12.2008 um 16:46Uhr|Typ: Comment

    Es kommt ganz darauf an, was so eine Kunstplattform dann wirklich für Features bietet und welche Vorstellungen der Künstler damit verbindet. Direkter Verkauf funktioniert dort in der Regel nicht, Kommunikation und möglicherweise Kollaboration teilweise schon. Ich habe aber noch keine Plattform gesehen, mit deren Features ich vollkommen zufrieden wäre. Vielleicht werd ich bald hier nochmal ein kleines Ranking diesbezüglich starten.


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  19. Elisabeth Eberle meinte am 17.12.2008 um 21:52Uhr|Typ: Comment

    Für mich sind Austausch über Galerien, Dienstleister, Wettbewerbe, Ausstellungsmöglichkeiten und auch Kontakt mit Gleichgesinnten wichtig, da ich als Künstlerin in meinem Atelier den internationalen Dialog brauche. Zu meiner Ausstellung in Düsseldorf kamen 4 Künstlerinnen, die ich nur virtuell kannte
    http://andre-debus.blogspot.com/2009/01/virtuelle-bekanntschaften-und-reale.html

    Verkaufen übers Internet scheint mir schwierig. Eine Freundin von mir wurde mit einem ungedeckten Check zu betrügen versucht. Myartspace versucht sich mit nyaxe.com, auf whitewall kann man seine Fotos verkaufen, ich kenne aber keine Erfahrungsberichte.
    Etwas ernüchtert bin ich, dass die eingeschriebenen Galeristen und Kuratoren sich selten auf den Künstlerseiten informieren (auf artmesh sieht man die Besucher).
    Auf myartspace gibt es die hervorgehobene Kategorie ‘featured artists’ und Wettbewerbe mit hochkarätiger Jury, was ich gut finde. Die Wettbewerbsgebühren sind umstritten, aber ich denke, gute Juroren kosten viel.
    Was mir fehlt, sind individuell kuratierte, thematische Plattformen analog zu Galerien und Museen. Gibt es keine Kuratoren, die sich so profilieren wollen? Oder kenn ich die Seiten nicht? Bei Saatchi gibt es den Blog, der jeweils ein paar Künstler hervorhebt (weekly top 10).


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  21. Teriell meinte am 17.12.2008 um 03:00Uhr|Typ: Comment

    Zu digitalen Kuratoren, auch insbesondere im Hinblick auf die Kunst, wurde ja kürzlich hier noch was geschrieben…
    Hier der Artikel


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  23. Christian Henner-Fehr meinte am 17.12.2008 um 14:39Uhr|Typ: Comment

    @Elisabeth: Zwei Punkte finde ich interessant:

    “Etwas ernüchtert bin ich, dass die eingeschriebenen Galeristen und Kuratoren sich selten auf den Künstlerseiten informieren.”

    Warum soltlen die sich dort auf die Suche machen? Die KünstlerInnen rennen ihnen schon im realen Leben die Bude ein, da tut sich das keiner zusätzlich an. Gleichzeitig ist das aber der Kern des Problems: eigentlich müssten solche Plattformen so gestaltet sein, dass sie für Galeristen und Kuratoren einen konkreten Nutzen bringen. Das wäre sinnvoller als solche Plattformen als Verkaufsplattformen zu positionieren.

    “Was mir fehlt, sind individuell kuratierte, thematische Plattformen analog zu Galerien und Museen. Gibt es keine Kuratoren, die sich so profilieren wollen? Oder kenn ich die Seiten nicht?”

    Ich kenne solche Seiten auch nicht, insofern halte ich die Frage für berechtigt. Fakt ist, dass Galerien das Potenzial des Internets noch nicht wirklich ausschöpfen.


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  25. Teriell meinte am 17.12.2008 um 15:38Uhr|Typ: Comment

    Ich glaube immer noch, dass das Potential in der möglichen Aktivität zu suchen ist, nicht wirklich im Verkauf allein. die “Kunstverwaltung” zu fördern ist vielleicht eben durchaus relevant, aber als essentieller empfinde ich das eigentliche Tun der Künstler, welches eben auch projektbezogen, kollaborativ ausgestaltet sein könnte/müsste. Erste Beispiele für Plattformen in dieser Hinsicht gibt es ja, z.B. um eine zu nennen Wooloo.org. Der letztlich (gesellschaftlich) wichtige “cultural impact” geht nicht allein von der klassischen Kulturverwaltung aus, die ohnehin meist das Angebot rar halten muss und nicht selten der Zeit hinterher hängt. Ich persönlich sehe das klassische Galeristen-Konzept, welches eben auch eine Gatekeeper-Rolle innerhalb des Bildungsbürgertums darstellt, ähnlich überholt wie das Konzept der Major-Labels im Bereich der Musik. Insofern würde ich mir auch kein klassisches Galeristen-Konzept in Übertragung auf digitale Strukturen vorstellen können. Da müsste schon mehr passieren.


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  27. Christian Henner-Fehr meinte am 17.12.2008 um 18:28Uhr|Typ: Comment

    Und was müsste Deiner Meinung nach passieren?

    Für mich sind übrigens Gatekeeper und Kuratoren nicht das gleiche. Der Gatekeeper behindert den Informationsfluss, d.h. andere Informationen gelangen nicht bis zu mir. Der Kurator greift aus der Vielfalt einen Aspekt heraus, ich habe aber die Freiheit, mir auch ander Zugänge zu verschaffen.


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  29. Teriell meinte am 17.12.2008 um 19:11Uhr|Typ: Comment

    Gatekeeper und Kuratoren sind nicht gleich, da unterschiedliche Infrastrukturen für deren Funktion ausschlaggebend sind. Dennoch sind sie eventuell vergleichbar, wenn man sich wertfrei die konkrete Funktion der Selektion vor Augen führt. Diese Selektion von Information oder kommunikativer Inhalte bedeutet schließlich auch in der Regel Filterung aufgrund von Interessen oder nach einer Agenda. Das gilt sicher für beide. In Bezug auf klassische Gatekeeper ist eine Erosion festzustellen, d.h. auf der Basis diverser Veränderungen im Mediensystem - etwa Konvergenz der Medien, Long Tail etc. Diese Erosion im Sinne des Verlusts von Einfluss würde ich auch der klassischen Kuration attestieren. Was genau passieren müsste ist zunächst eine differenzierte Bestandsaufnahme, deren Ziel es aber ist auch kritisch zu hinterfragen, welche klassischen Modelle überhaupt noch angebracht erscheinen oder welche ihren Sinn verfehlen. Ich muss gleich weg, deshalb kann ich diesen Punkt nicht weiter ausführen. Aber evtl. kommt bald mal ein Artikelchen zum Thema.


  30.  

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