Wolfram Hahn - Kaffee Bankrott
Wolfram Hahn, manch einem vielleicht auch schon bekannt durch die Schau “Entzaubert” (Link, Link), hat sich mit dem Projekt Kaffee Bankrott jungen Menschen zugewandt, deren Lebenssituation schlecht und deren “Lobby” klein ist. Es fällt doch immer wieder auf, dass viele von uns selbst in Zeiten der Rezession eigentlich ja wie die berühmte Made im Speck leben (selbstverständlich dennoch jammern). Da sieht manch einer lieber nicht hinter die Kulissen des Kapitals, man wagt nicht gerne den Blick auf die Realität und jene, die einem in der U-Bahn eine Straßenzeitung verkaufen möchten. Hahn blickt hin und portraitiert.
Ort: U-Bhf Rosenthaler Platz, U8, Berlin-Mitte
Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung:
In seiner neuen Arbeit Kaffee Bankrott widmet sich Wolfram Hahn einer Reihe von Menschen, die sowohl im materiellen Überlebenskampf unseres Gesellschaftssystems als auch bei der graduellen Anpassung an gesellschaftliche Normen den erhofften Platz nicht behaupten konnten oder aber einen selbst gewählten, für den Normalbürger oft nicht nachvollziehbaren Umgang mit ihrer Umgebung pflegen. Hahn ging in den Berliner Obdachlosentreff Kaffee Bankrott und sprach dort verweilende, vor allem junge Leute direkt an, um sich nach ihrer Lebenssituation und ihrem Selbstbild zu erkundigen und ihre äußerlichen Lebensumstände, wenn sie einverstanden waren, ins Bild zu setzen. Der Fokus lag auf Verkäufern der Berliner Straßenzeitung strassenfeger, die zumeist in unsteten Verhältnissen leben oder in Notunterkünften unterkommen. Das Ziel des Projektes war es, diesen Menschen die Möglichkeit einer Äußerung in bildlicher Form zu eröffnen und die Öffentlichkeit später mit dieser Lebenswelt zu konfrontieren. Dabei entstanden eindringliche Porträts, die nun im U-Bahnhof Rosenthaler Platz gezeigt werden und den Passanten mit einer Welt konfrontieren, welche sich der Öffentlichkeit normalerweiße verschließt.
Ein Katalog mit farbigen Abbildungen der Photoserie, einer Bilddokumentation der Ausstellung, sowie einem begleitenden Text von Daniel Klemm, wird voraussichtlich im Anschluß an die Ausstellung 2009 erscheinen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.wolframhahn.de/bankrott/
Nachtrag (03.02.2009):
Wolfram Hahn war so nett, uns ein paar Impressionen von der Ausstellung am U-Bahnhof Rosenthaler Platz zu schicken. Diese möchten wir Euch nicht vorenthalten.
Hier im Blog kommt natürlich keine stimmige U-Bahn-Atmosphäre auf; die Schnittstelle zu einer Welt hinter den Fassaden wird hier nur schwer deutlich. Die Bilder vermitteln aber schon, dass der Ort der Ausstellung - eben ein U-Bahnhof - das Konzept von “Kaffee Bankrott” durch einen multisensualen Eindruck bereicherte. Der Blick hinter die Kulissen fand gerade an einem authentischen Ort statt, nicht aber dort, wo sich die Dekadenz zur Kunstschau versammelt. Das finde ich persönlich sehr stimmig.
Abschließend möchte ich noch auf ein Interview des Staßenfegers mit Hahn verweisen: zum Interview.











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